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Behindertenfüherer

für die Stadt Helmstedt

Beitrag von Wolfgang Schmidt 

Angebote der Stadt Helmstedt waren oft nicht barrierefrei.

Der AKS- Senioren als Vorbild im Straßenverkehr, hat zwei Auflagen "Wegweiser besonders für behinderte Menschen in der Stadt Helmstedt“ erstellt.

Seit seiner Gründung im Jahr 1993 beschäftigt sich der AKS "Senioren als Vorbild im Straßenverkehr“ mit den tagtäglichen Beschränkungen der Mobilität von Menschen mit Behinderung. Ziel war es, behinderten Menschen und ihren Angehörigen Informationen zu geben, wie sie in der Stadt Helmstedt ihre Ziele erreichen können und die Anbieter dazu anzuregen, ihre Räumlichkeiten auch für gehandicapte Menschen zugänglich zu machen.

 

In vielen Gesprächen mit Seniorinnen und Senioren und Betroffenen haben wir festgestellt, dass der barrierefreie Zugang in der Stadt Helmstedt zu oft Probleme bereitet. Besonders Rollstuhlfahrer beklagten sich darüber, dass ihnen viele Angebote in der Stadt Helmstedt verschlossen bleiben. Das galt sowohl für Behördengänge, Ärzte- und Restaurantbesuche und dem Einkaufen in Geschäften des Einzelhandels in der Innenstadt. Die Erkenntnis, dass einige wenige andere Städte in Niedersachsen einen Stadtführer für Behinderte besitzen, war Auslöser für die Idee auch für unsere Stadt einen Stadtführer zu schaffen.

 

Nach vielen Sitzungen und Diskussionen und der Erkenntnis, dass die Erarbeitung des Stadtführers aufwändigen Arbeitseinsatz bedeutet, verkleinerte sich die zu Beginn angetretene Mannschaft erheblich. Der Durchbruch kam, als sich das hiesige Deutsche Rote Kreuz für eine ABM-Halbtagskraft zur Verfügung stellte. Die Maßnahme war auf ein Jahr begrenzt. Möglichst viele Anlaufpunkte wurden persönlich aufgesucht und die Daten erfasst. Die meisten Befragten waren von unserer Absicht begeistert, einige waren skeptisch und mussten überzeugt werden. Unser Anspruch war, dass die Informationen objektiv sind. Deshalb haben wir in der ersten Auflage vollständig auf Werbung verzichtet. Inzwischen war auch die Stadt Helmstedt unser Partner.

Im Juni 1999 konnten wir schließlich den ersten "Stadtführer für Behinderte – Stadt Helmstedt“ drucken lassen. Vorgelegt wurde ein handliches Büchlein mit Ringbindung, das für die Interessenten ein ständiger Begleiter sein konnte. Die Erstauflage waren 500 Exemplare und umfasste 216 Seiten.

 

Der Nutzer sollte sich anhand von Piktogrammen und knappen Informationen auf einem Blick informieren können. Eingeführt wurde er durch Vorworte der damals Beteiligten, dem Vorsitzenden des AKS Günther Bruns, dem Bürgermeisters Dr. Karl Birker und dem Vorsitzenden des Deutschen Roten Kreuzes, Kreisverband Helmstedt e.V. Gerhard Kilian.

 

Durch sparsame Texte und übersichtliche Gestaltung mit Piktogrammen konnte man auf einen Blick die wesentlichen Informationen aufnehmen. Den Inhabern wurde die Gelegenheit gegeben, Hilfsangebote für Zugangsmöglichkeiten z.B. durch Personal zu machen.

 
Insgeheim hatten wir die Hoffnung, dass die Behördenverantwortlichen und Geschäftsleute sich angespornt fühlen, auch ihre Räumlichkeiten für Menschen mit Behinderung nachzurüsten. Durch die Datenerhebung vor Ort haben wir für viele Menschen, meist Nichtbehinterte, erst auf die Problematik aufmerksam gemacht. Die meisten deuteten an, dass sie die Zugänge verbessern wollen. Einige haben es tatsächlich gemacht, vieles ist noch zu tun.

Inzwischen ist das barrierefreie Bauen bei Neubauten Standard geworden. Besonders bei öffentlichen Neubauten ist es sogar die Regel. Nachrüstungen scheitern leider oft an fehlenden Mitteln, vielleicht auch an Unbedachtheit.

 

Im Rahmen von Straßenneubau- und Unterhaltungsmaßnahmen wird in der Stadt Helmstedt heute regelmäßig barrierefrei nachgerüstet. Auch die besonderen Ansprüche für Sehbehinderte werden im Straßenverkehr berücksichtigt. In Helmstedt haben die meisten Lichtsignalanlagen gesonderte akustische Signale.

 

Das war im Jahr 1999. Bei Erscheinen erregte unsere Ausarbeitung große Aufmerksamkeit. Einige Interessenten aus anderen Städten ließen sich Exemplare als Anregung für eigene Werke schicken. Es gab auch eine große Nachfrage für Besucher und Touristen in der Stadt Helmstedt. So gingen die 500 Exemplare nach kurzer Zeit zur Neige. Dabei zeigte sich auch, dass die Helmstedter Innenstadt einem stetigen Wandel unterliegt. Die Informationen waren schnell überholt und bald nicht mehr aktuell. Selbst wenn inzwischen die Zugangsmöglichkeiten verbessert worden sind, gab es fast nie Rückmeldungen.

Die Stadt Helmstedt könnte einen Anreiz schaffen. Wie wäre es, wenn vorbildliche barrierefreie Angebote schon von außen durch eine offizielle Plakette am Eingang erkennbar wären? Das Zertifikat könnte den Anbietern von der Stadt Helmstedt verliehen werden, wenn ein bestimmter Anforderungskatalog erfüllt wird.

 

So gewannen wir recht bald die Erkenntnis, dass eine zweite Auflage erforderlich ist. Als großes Hindernis stellte sich heraus, das eine Überarbeitung in der vorhandenen Dateiensammlung nicht möglich ist, weil wir nicht mehr auf die Unterlagen zurückgreifen konnte. Deshalb mussten die Daten und die Darstellung völlig neu erhoben werden. Diese Arbeit erfolgte in Eigenarbeit des Arbeitskreises "Senioren als Vorbild im Straßenverkehr“ mit dem damaligen Vorsitzenden August Bornemann.

 

"Stadt Helmstedt – Wegweiser besonders für Behinderte“ nannten wie das neue Buch. Leider waren wir für die zweite Auflage auf eine zusätzliche Finanzierung durch Werbung angewiesen, legten jedoch großen Wert auf objektive Daten. Die Auflage enthält erstmals auch einen Plan des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV), der für ältere Menschen immer mehr an Bedeutung gewinnt und inzwischen ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit geworden ist.

Vor nunmehr 15 Jahren sind wir noch nicht auf die Idee gekommen einen Behindertenfüher ins Internet zu stellen. Inzwischen hat sich das Internt zu einem (fast) allgemein verfügbaren Medium auch für behinderte Menschen entwickelt . Ein Grund nochmal über eine Neuauflage nachzudenken die im Internet regelmäßig aktualisiert wird und für verschiedenste Örtlichkeiten im einzelnen auch ausdruckbar zur Verfügung steht. Hier könnten dann regelmäßig und aktuell auch gut Orte aufgezeigt werden, wo Handlungsbedarf besteht. Auch hilfreich für die Stadtentwickler...

 

Leider liegt uns heute keines der beiden  "Behindertenführer"  mehr vor. Alle vergriffen.
Da wir das Thema gern nochmal aufgreifen möchten wäre es schön, wenn wir dabei auf die alten Broschüren  zurückgreifen könnten. Vielleicht hat ja jemand noch eine und kann sie uns zur Verfügung stellen. - Danke

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